PROFIL DES CHORES

Der Prager gemischte Chor gehört langjährig zur Spitze der tschechischen nicht professionellen Chorszene. Er hatte viel Erfolg daheim und im Ausland und gewann zahlreiche Preise bei prestigen Gesangswettbewerben, u. a. bei internationalem Wettbewerb Praga Cantat. Außer Konzerten auf heimatlichem Boden repräsentiert er die tschechische Interpretationskunst auf zahlreichen Auslandstourneen; bisher absolvierte er mehr als sechzig. Dazu gehören die Besuche der meisten europäischen Länder, der Vereinigten Staaten, Konzerte in Kanada, Japan, Israel, China und Ägypten.

Das Repertoire des Chores umfasst ein breites Spektrum geistlicher u. weltlicher Werke vieler Autoren von Weltruf, angefangen von Barockmeistern (Schütz, Vivaldi) über führende Repräsentanten des Klassizismus (Mozart, Haydn, Beethoven) bis zu Autoren des 19. und 20. Jhs. (Schubert, Verdi, Brahms, Mahler). Das größte Augenmerk liegt jedoch auf dem tschechischen Schaffen vor allem auf dem Nachlass der Klassiker Bedřich Smetana und Antonín Dvořák, der Meister des 20. Jhs. Leoš Janáček, Bohuslav Martinů und Autoren der unlängsten Gegenwart wie Antonín Tučapský, Zdeněk Lukáš oder Petr Eben. Der Chor interprätiert oft auch russische ortodoxe Gesänge sowie tschechische, mährische und slowakische Volkslieder.

Der Chor arbeitet mit bedeutenden professionellen Orchestern zusammen, Solisten und Dirigenten (Nordböhmische Philharmonie Teplice, Kammerphilharmonie Pardubice, Musik der Burgwache und Polizei der Tschechischen Republik, Symphonieorchester des Tschechischen Rundfunks, Jaroslav Svěcený, Vladimír Válek, Vratislav Kříž, František Zahradníček). Er tritt auf führenden Konzertpodien auf (Rudolfinum, Gemeindehaus, Prager Burg) und präsentiert seine Kunst auch in bedeutenden Medien (Tschechisches Fernsehen). Jedes Jahr absolviert er etwa zwanzig Konzerte daheim und hat einige profillierte CDs auf seinem Konto.

 

Aus den letzten Jahren

Zu den bedeutendsten Aktivitäten des Chores in den vergangenen Konzertsaisons gehören eine Reihe von Auslandstournees: Japan (2012), Serbien (2013), Lettland (2014), China (2015), Österreich (2016), Deutschland und Polen (2017), Kanada und Litau (2018).

Die größten Erfolge des Chores  auf heimatlichem Boden sind u. a. die Aufführung von Requiem von Giuseppe Verdi im Gemeindehaus in Prag und in dem Sankt Veitsdom zum 200. Jahrestag der Geburt des Komponisten (2013), drei Festkonzerte zum Jahr der tschechischen Musik in Zusammenarbeit mit der Kammerphilharmonie Pardubice (2014) oder das Konzert zum Gedenken an Miroslav Košler mit der Aufführung des Deutschen Requiems von Brahms (2017).

Der Prager gemischte Chor wurde auch zur Teilnahme an prestigen Festivals eingeladen: Smetanas Litomyšl (2015), Mene Tekel (2017), Dvořáks Prag (2018) und Martinů Fest Polička (2018). Im Jahre 2016 hatte der Chor die Ehre, Weltpremiere einer unbekannten ursprünglichen Version der Kantate Feldmesse von Bohuslav Martinů aufzuführen.

 

Aktuelles

2019 öffnete der Chor mit großem Wiederhall die traditionellen Tage der geistlichen Musik Prachatice und trat beim Prager Festival ortodoxer Musik Archaion Kallos auf. Im Oktober wurde im Rahmen einer Tournee nach Polen zusammen mit der Karpatenphilharmonie Rzeszów die Symphonie Nr. 2 von Gustav Mahler aufgeführt. In der Saison 2019/20 bereitet sich der Chor intensiv auf das traditionelle Weihnachtskonzert vor und vor allem auf das Festkonzert zum 75. Jubiläum seiner Gründung, das im Juni 2020 im Museum der tschechischen Musik stattfinden wird. Aus Anlass dieses Jahrestages erscheint gleichzeitig auch eine CD mit Kompositionen von A. Dvořák, V. Novák, B. Martinů und Z. Lukáš.

 

GESCHICHTE DES CHORES

50er Jahre

Der Chor wurde 1945 unter der Bezeichnung Perun gegründet. Er hatte zu Beginn neun Mitglieder und es handelte sich zunächst um einen Männerchor. Bald darauf wurden aber auch Frauen aufgenommen und so entstand ein gemischter Chor, der ein breiteres Repertoire bieten konnte. Bis zum Jahre 1957 war sein Hauptchormeister Miroslav Hroněk, doch schon 1951 begann gleichzeitig der damals 20 jährige Miroslav Košler mit dem Chor zusammen zu arbeiten. Auf Grund der veränderten politischen Situation 1948 kam der Chor gezwungenermaßen unter die Schirmherrschaft des Betriebs ČKD Stalingrad und musste auch seinen Namen ändern. Er wurde zum Chorensamble ČKD Stalingrad. Zu dieser Zeit zählte der Chor schon 60 Mitglieder.

Trotz allem brachte das Wirken unter einem großen staatlichen Betriebe dem Chor auch Positives: Ökonomische Absicherung und die Möglichkeit von Auslandsreisen, wo der Chor an einer Reihe von Wettbewerben im Chorgesang teilnahm. Zu seinen bedeutendsten Erfolgen in dieser Zeit gehörte sein Sieg in der Kategorie der gemischten Chöre bei dem 1. Internationalen Wettbewerb im Chorgesang in Paris und Teilnahme am internationalen Chorwettbewerb in Berlin, wo er in der Konkurenz von 28 Chören aus der ganzen Welt den 2. Platz belegte. Im Jahre 1951 wurde der Chor mit dem Staatspreis der 2. Stufe für seine langjährige Arbeit auf kulturellem Gebiet aufgezeichnet.

60er Jahre

Ab 1960 gehörte der Chor zum Gesamtbetrieb  ČKD Praha und wurde erneut umbenannt, diesmal zum Künstlerischen Choransamble ČKD Praha. In Zusammenarbeit mit der Akademie der musischen Künste wurde gleichzeitig das Symphonieorchester ČKD Praha gegründet mit dem Dirigenten Vladimír Válek und beide Ensambles arbeiteten eng zusammen bis zur Auflösung des Orchesters  sechs Jahre später.  Sie unternahmen u. a. gemeinsam zwei Tournees in die damalige Deutsche Demokratische Republik.

Zu Anlass des 20. Jubiläums seiner Gründung 1965 organisierte der Chor nationale Wettbewerbe, an denen Chöre aus der gesamten damaligen Tschechoslowakei teilnahmen. Der Chor trat hier zum ersten mal unter seinem neuen  Namen Gesangschor ČKD Praha auf und gewann den 1. Preis.  Seine Bezeichnung trug er weitere 34 Jahre.

70er bis 80er Jahre

Die 70er bis 80er Jahre bedeuteten in der Geschichte des Chores eine rapide Verbesserung seiner Qualität und ein erweitertes Repertoire. Enormen Einfluss darauf hatte sein Chormeister Miroslav Košler, der die Dramaturgie des Klangkörpers in Richtung „a capella“ – Musikrepertoire der 2. Hälfte des 20. Jhs. lenkte. Damit hängen auch seine persönlichen freundschaflichen Kontakte mit führenden Persönlichkeiten der damaligen tschechischen Komponistengeneration eng zusammen. Das betrifft vor allem Petr Eben, Zdeněk Lukáš und später auch Antonín Tučapský, die einige ihrer Kompositionen direkt dem Chor widmeten und Miroslav Košler diese dann mit seinem Chor zur Weltpremiere brachte.

Nach 1989

Die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen nach 1989 ermöglichten die Realisierung von mehr Auslandtourneen als in der Vergangenheit. Innerhalb der ersten fünf Jahre nach der Samtenen Revolution gelang es, insgesamt elf Konzerttournees zu organisieren, u. a. nach Japan, in die Vereinigten Staaten, nach Belgien, Frankreich und Italien. Die neuen Verhältnisse fanden jedoch negativ ihren Niederschlag in der ökonomischer Situation des Chores und das vor allem nach der Privatisierung ihres langjährigen Patrons ČKD im Jahre 1999. In das neue Jahrtausend trat der Klangkörper schon selbstständig unter seinem heutigen Namen Prager gemischter Chor auf. 2010 kam es nach fast 60 Jahren zum Wechsel in der Leitung des Chores. Miroslav Košler übergab sie seinem Schüler, dem Dirigenten Jiří Petrdlík, der die Arbeit mit dem Chor im Geiste seines großen Vorbildes fortsetzt.

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